Erster Wandertag – Erste Etappe des Besparmak-Trail

Unser erster Wandertag ist gleichzeitig ein Teil der ersten Etappe des 255km langen BESPARMAK-TRAIL. Richtig geschrieben wird der Weg eigentlich “Beşparmak-Trail”, im türkischen bedeutet beş – Fünf (wird „besch“ ausgesprochen)  und parmak – Finger, also übersetzt „Fünffinger“. Der Name leitet sich also vom gleichnamigen Fünffingergebirge her, das sich über etwa 180km entlang der gesamten Nordküste Zyperns von West nach Ost erstreckt. Im griechischen wiederum nennt sich der Gebirgszug PENTADAKTYLOS. Die höchste Erhebung mit 1024m befindet sich etwas westlich der Küstenstadt Kyrenia und nennt sich SELVILI TEPE. Das bedeutet übersetzt etwa „Kiefern-Berg“.

Wanderung vom Kap Kormakitis

Der Transfer vom Hotel HIGH LIFE in Kyrenia über die malerische alte Küstenstraße bis Sadrazamköy (griechisch Livera) dauert eine knappe Stunde. Hier warten bereits die organisierten Landrover von CARETTA CARETTA auf uns. Sie bringen uns die letzten 3km vom Dorf bis zum Anfangspunkt des Weitwanderwegs. Diese Verbindungsstraße ist nicht asphaltiert und kann daher nicht vom Gruppenreisebus befahren werden. Am Kap Kormakitis markiert ein großer Stein mit dem eingravierten Umriss der Insel Zypern den Beginn des Besparmak-Trail.

Noch schnell ein Gruppenfoto, dann starten wir die Wanderung. Der sehr gut markierte Weg führ direkt entlang der spektakulären Klippen der Küsten entlang nach Osten. Der Kontrast der Sandsteinfelsen zum azurblauen Meer bietet vielfältige Fotomöglichkeiten. Hier finden sich im Stein eingeschlossene Fosilien von Karallen und Schalentieren, in der Nähe gibt es sogar Fosilien von Zwergelefanten, die leider nicht auf unserem Weg liegen. Botanisch hat der Zyprische Frühling im März ebenfalls sehr viel zu bieten, von verschiedenen Orchideenarten über Zistrosen und Ginster reicht die Blütenvielfalt. Nach 1 1/2 Stunden für 4km erreichen wir wieder das Dorf Sadrazamköy.

Maronitendorf Kormacit

Von hier bringen uns wieder die Landrover ins Dorf Kormacit (gesprochen Kormatschit). Das Dorf heißt auf griechisch Kormakitis und auf türkisch Korucam. Der originale Name KORMACIT ist die aramäische Form, und diese Sprache, die zur Zeit Christi im Heiligen Land gesprochen wurde. Viele der älteren Bewohner von Kormacit sprechen im Alltag noch eine Mischung aus Aramäisch, Griechisch und Arabisch. Die Maroniten gehören zu den Altorientalischen christlichen Kirchen. Diese Glaubensgemeinschaften haben sich bereits im 4. Jahrhundert vom Hauptzweig der Christlichen Kirchen abgespalten. Die Maroniten wiederum haben sich später im Mittelalter wieder mit der Katholischen Kirche uniert, ihr Hauptsitz ist im Libanon.

Das Dorf selbst ist aufgrund der Bewohner ein Unikat im sonst türkisch-sprachigen Nordteil der Insel. Viele der Gebäude sind liebevoll renoviert und einige werden bereits an Touristen vermietet. Die Gäste hier schätzen vor allem die Möglichkeit, direkt vom Dorf aus zu Wandern oder Velotouren zu machen. In der Farm des Maroniten Antonis, „Ranco tel Vata“, machen wir unsere Mittagspause und stärken uns mit gegrillter Wurst, Dorfbrot und frischem Orangensaft.

Wanderung nach Akdeniz/Agia Irini

Die Wanderung am Nachmittag ist dann etwas herausfordernder. Entlang der steil abfallenden Geländekante eines meist trockenen Flussbetts laufen wir Richtung Meer nach Südwesten bis ins Dorf Akdeniz, auf griechisch Agia Irini. Am Dorfeingang gibt es einen großen Bauernhof mit Hunderten von neugeborenen Zicklein die uns mit freudigem Blöken begrüßen. Manche aus der Wandergruppe wagen einen „mähhh, mähhh“ Dialog mit den Ziegen, die das angebotene Gespräche erstaunlich interessiert erwidern!

Im Dorf selbst befindet sich ein kleines Naturkundliches Museum, dass offensichtlich noch nicht ganz fertiggestellt ist. Hier ist wohl der EU das Geld ausgegangen! Dennoch finden wir viel Information über die lokale Pflanzen und Tierwelt einschließlich der Meeresschildkröten und Schlangen. In Zypern gibt es eine einzige Art von Giftschlangen, die Levante-Otter die etwa so giftig ist wie die mitteleuropäische Kreuzotter. Die Schlangen sind generell sehr scheu und man bekommt sie kaum vor Gesicht. Für Touristen und auch Einheimische viel interessanter sind die Meeresschildkröten. Zypern gehört zu den wichtigsten Brutplätzen der Caretta Caretta und Chelonia mydas, das sind die wissenschaftlichen Namen der Unechten Karettschildkröte und der Suppenschildkröte.

Wenn wir heute das eher abgelegene und unbedeutende Dorf Akdeniz besuchen können wir uns kaum die überaus reiche Vergangenheit der Region vorstellen. Hier war einst ein Zentrum bronzezeitlicher Metallverarbeitung, die reichen Funde aus den sogenannten „Konigsgräbern“ zeugen noch heute davon. Im Archäologischen Museum der Republik Zypern im Südteil Nikosias sind viele der mehr als 2000 Keramikfiguren (zum Teil überlebensgroß) ausgestellt die hier gefunden wurden. Nachbildungen dieser Figuren sind vor dem kleinen Museum im Dorf zu sehen.

Abendessen im Strandrestaurant CARETTA CARETTA

Etwas abseits vom Besparmak-Trail, am Strand des Dorfes Akdeniz, liegt das Restaurant Caretta Caretta. Das Lokal wird geleitet vom Dorfvorsteher Tarik und seiner Familie und es ist auch unter Einheimischen bekannt für frischen Fisch. Technisch läuft an diesem Abend nicht alles einwandfrei, Probleme mit Strom und Beleuchtung werden vom Chef aber in bewährter Türkisch-Zyprischer Flexibilität gelöst und wir treten nach dem Sonnenuntergang im Meer die Heimreise per Bus nach Kyrenia an. Nach insgesamt mehr als 15km Wanderung sehnen sich einige Reiseteilnehmer doch schon nach dem weichen Bett, und das sanfte Schaukeln des Reisebusses trägt zu einer ausgesprochen stillen Heimfahrt bei. Alles in allem ein gelungener Auftakt im Westen mit dem ersten Abschnitt des Besparmak-Trails!

 

 

 

 

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